Spukgeschichten

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Moor und Heide sind schon immer ein unheimlicher Ort gewesen. Nachts standen plötzlich stumme Gestalten am Wegesrand und wackelten mit dem Arm oder Kopf. Die Erklärung „Wacholder im Wind“ war zwar plausibel, aber unheimlich war es trotzdem.

Die nächtlichen Rufe der Moorvögel Bekassine („Himmelsziege“) und Großer Brachvogel sind ungewöhnlich in einer stillen Nacht und lassen sich schlecht verorten. Und wenn dann noch Kugelblitze im Gewitter knallen, dann ist das gluckernde, nasse Moor wirklich gruselig.

Unheimliches Gebüsch - Bild aus Plauderei aus einem Heidedorf von Frido Witte
Unheimliches Gebüsch – Bild aus Plauderei aus einem Heidedorf von Frido Witte

Die Bewohner verbrachten ihre Zeit nicht wie heute vor dem Fernseher, sondern erzählten sich am Abend und beim Zusammensein „Spökereien“. Selbstverständlich waren Geschichten mit viel Spannung beliebter als langweilige Erzählungen. Gepaart mit Aberglauben und Teufelsfurcht gab es daher so manche Räuber- und Gruselgeschichte zu hören. Ein Hausspuk war beim Schlachter Vorwerk bekannt: in seinem Alkoven befand sich ein Geist. Ein Besuch vom Teufel war oft durch den Gestank und Schwefelrauch beweisbar und gerochen hat es ja immer mal irgendwo.

Es gibt eine Geschichte von einem Bauern, der nachts mit seinem Pferdefuhrwerk durch die dunkle Nacht fuhr. Plötzlich stoppte das Gespann, das Pferd konnte nicht weiter ziehen. Der Kutscher fürchtete, dass der Teufel die Kutsche festhielt und schaute sich nicht um, sondern floh angsterfüllt. Erst am nächsten Tag konnte man feststellen, dass die Kutsche an einem Stubben festhing.

Am „Ende der Welt“, dem Hof im Flattweg 29 von „Husar“ Röhrs, gab es eine alte Spukgeschichte vom „Stubbnschauster sin Kammer“: Ein Vorfahr hatte sich dort aufgehängt und seit dem spukt es da, weswegen der Husar die Kammer nicht betrat und stets verschlossen hielt. Eine schwarze Katze lief oben an der Zimmerdecke entlang und versteckte sich dann wieder in der Kammer.

Wer kennt denn die Geschichte vom „dee grode schwadde Hund mit dee gleunigen Ogen“? Oder eine andere Spökerei? Welche Hexe hat mit dem bösen Blick wessen Vieh verhext?

Spezielle Sagen und Märchen aus Wintermoor gibt es nicht. Die Kinder im Kinderkrankenhaus erzählten den Jüngeren Gruselgeschichten von Wölfen und Ungeheuern, was die traumatische Zeit dort bestimmt nicht einfacher machte.

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