Landarbeiterwohnungsbau

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Nicht jedes Bauernkind konnte den Hof der Eltern erben. Wer die Hofstelle (Hufe) nicht erbte, der wohnte oft als Kätner in einer Kate nebenan. Ärmer dran waren die Häuslinge, die zwar eine Unterkunft nahe dem Hof hatten, aber mit ihrem Deputat nur knapp über die Runden kamen. Die Verkoppelung sorgte hier für vermehrte Armut, wie die Berichte über obdachlose Häuslinge aus dem Jahre 1869 zeigten.

Siebzig Jahre später gab es das Grundproblem immer noch. Die verarmten Menschen zogen daher auf die Suche nach Arbeit in die Städte und sorgten in manchen ländlichen Gegenden für Arbeitskräftemangel auf dem Land.

Die Kreisbauernschaft Stade warb für den Bau von Landarbeiterwohnungen durch die Bauern, damit die Einwohner eine verbesserte Wohnsituation hatten. Zuvor wurden dafür staatliche Fördermittel eingeworben. Dieses Programm sollte die Notwendigkeit des Armenhauses vermeiden und startete erstmals um 1925/26. Die Familie Reßmeier konnte so 1928 ihr Heimstättenhaus errichten. Sie mussten allerdings ein Stück Land dazukaufen, denn nur mit einer kleiner Landwirtschaft erhielt man diese Förderung.

Die Bauern erhielten im neuaufgelegten Förderprogramm 1935 bis zu 1800 Reichsmark Förderung, wenn die Baukosten mindestens doppelt so hoch waren. Die Förderung wurde in jährlichen Raten von 300 RM gewährt, solange in den Häusern Landarbeiter wohnten.

Bis 1937 wurden in der Landesbauernschaft Hannover insgesamt 2970 Landarbeiterwohnungen errichtet. Rückblickend zieht Daniela Münkel in dem Buch „Nationalsozialistische Agrarpolitik und Bauernalltag“ von 1996 das Fazit,  dass die Landflucht damit nicht wirksam verhindert wurde (Seiten 346 bis 348, Amazonlink http://amzn.to/2kaO2pS).

Leider besitzt die Niedersächsische Landgesellschaft mbH in Verden keine alten Unterlagen mehr dazu. Unter dem Stichwort Landarbeiterwohnungsbau in Wintermoor tauchen jedoch im Landesarchiv Niedersachsen folgende Archivstücke mit Namen und Jahresdaten auf:

  • NLA HA, Nds. 120 Lüneburg, Acc. 140/91 Nr. 336 (Max Manke 1926 – 1952)
  • NLA HA, Nds. 120 Lüneburg, Acc. 140/91 Nr. 789 (Anna Otto 1929 – 1961)
  • NLA HA, Nds. 120 Lüneburg, Acc. 140/91 Nr. 825 (Wilhelm Riebesehl 1929 – 1955)
  • NLA HA, Nds. 120 Lüneburg, Acc. 140/91 Nr. 308/1 und NLA HA, Nds. 120 Lüneburg, Acc. 140/91 Nr. 308/2 (Hermann Therkorn 1926 – 1963)
  • NLA HA, Nds. 120 Lüneburg, Acc. 140/91 Nr. 243 (Wilhelm Bleeken 1926 – 1957)
  • NLA HA, Nds. 120 Lüneburg, Acc. 140/91 Nr. 310/1 und 310/2 (Otto Röhrs 1926 – 1960)
  • NLA HA, Nds. 120 Lüneburg, Acc. 140/91 Nr. 101 (Walter von Elling 1925 – 1958)

Mir ist nicht bekannt, um welche Grundstücke es sich handelt und ob es nicht sogar noch mehr Landarbeiterwohnungen in Wintermoor (und zB Reinsehlen mit dem Voßbarg) gab. Aber vielleicht weiß ja jemand noch etwas dazu?

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