Krankenhaus Reinsehlen

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Ab März 1946 kamen bis zu 1.500 Flüchtlinge gleichzeitig in das spätere Camp Reinsehlen, es war somit eines der größten Flüchtlingslager Norddeutschlands. Viele der ankommenden Flüchtlinge benötigten intensivere medizinische Betreuung.

Ich habe zwei Versionen zur Entstehung der Krankenstation gefunden: Laut Wikipedia wurde das Krankenhaus Reinsehlen in den früheren Offiziersbaracken eingerichtet. Zeugenaussagen im Buch von Helmut R. Tödter sprechen davon, dass das Baumaterial von den Lagergebäuden des Munitionslagers in Kamperheide stammt. Womöglich wurden die Holzbauteile aber auch im Ausweichkrankenhaus Wintermoor verwendet. Meiner Meinung spricht für die zweite These, dass es ja schon eine Anlage für Offiziere beim Camp Reinsehlen gab. Werner Köster schreibt entsprechend in seinem Buch.

Die Krankenstation mit 126 Betten in der Inneren Abteilung unter Dr. Wischoff und 30 Betten in der TBC-Abteilung (bis 1953) waren ab dem ersten Tag des Flüchtlingslagers, den 10.3.1946, eingerichtet. Man nutzte dafür das alte Krankenrevier des Flugplatzes sowie das Offiziersheim. Die medizinische Erstausstattung kam aus Munster (Lager) und dem Waldkrankenhaus. Ein Röntgengerät wurde aus Wehrmachtsbeständen beschafft (Köster, S. 77). Chefarzt war Dr. Vogel.

Es wurden viele TBC-Kranke hier behandelt, aber auch Typhus und Gelbsucht waren durch die Enge im Lager häufig. Ab 1.4.1948 rechnete man über die Landeskasse ab, danach über die Kreiskasse. Etwa 90% der Patienten waren Krankenkassenmitglieder (also Flüchtlinge über die Wohlfahrt).

Bis zum 30.6.1950 kümmerten sich etwa 20 Ordensschwestern („Graue Schwestern“) aus Schlesien um die Kranken. Sie hatten eine eigene Klausur, Kapelle und Refektorium. Der letzte Gottesdienst fand am 1.8.1950 statt.

Nach der Auflösung des Flüchtlingslagers 1950 wurde dieser Teil der Anlage zum Hilfskrankenhaus und gehörte später zum Kreiskrankenhaus Soltau. Die Verwaltung war aber bis 1953 getrennt.

Zentralheizung und Warmwasser wurde 1952 eingeführt. 1953 wurde eine gynäkologische Station unter Dr. Stuhler mit 62 Betten eingerichtet. Vorher gab es schon Patientinnen hier, weil das Hilfskrankenhaus Immenhof bei Hützel aufgelöst wurde. 1954 wurde Gynäkologie und Chirugie in zwei Stationen getrennt.

1955 arbeiten im Krankenhaus Reinsehlen 6 Ärzte, 28 Pflegekräfte, 23 Haushaltshilfen, 5 Verwaltungsmitarbeiter und 3 Arbeiter. Als Barackenkrankenhaus war klar, dass es aus baulichen Gründen nicht dauerhaft bestehen konnte.

1968 schloß die ehemalige Krankenstation in Reinsehlen, weil in Soltau das Kreiskrankenhaus neu gebaut wurde. Der Umzug der Patienten aus Reinsehlen erfolgte am 28.11.1968 innerhalb von nur zwei Stunden. „Das Krankenhaus ist eine 18 Jahre währendes Provisorium gewesen.“ sagte Dr. Stuhler in einer Ansprache dazu. Etwa 30.000 Patienten wurden in dieser Zeit dort behandelt (Köster, S. 75).

Die Gebäude mit den heutigen Hausnummern Barrl 15 und Reinsehlen 120 sind weitestgehend original erhalten und befinden sich in Privatbesitz.

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