Torfstich und Brennbülten

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Die bei uns typische Heidelandschaft ist normalerweise nahezu baumfrei. Das hat in der Vergangenheit dafür gesorgt, dass die Menschen erfinderisch waren bei der Beschaffung von Brennstoffen für Herd und Heizung: Man stach Torf, trocknete ihn und konnte diesen Brenntorf dann anschließend verfeuern. Torfgewinnung war fester Bestandteil in der Heidebauernlandwirtschaft.

Torf wird von den Torfmoosen im Moor gebildet, die nach oben wachsen und nach unten absterben. Aufgrund der Feuchtigkeit kann das abgestorbene Pflanzenmaterial jedoch nicht verrotten und es bildet sich eben dieser Torf. Er hat, wenn er getrocknet ist, in etwa einen Energiegehalt wie Braunkohle. Allerdings brennt er langsam und mit viel Rauch- und Ascheentwicklung, weshalb man Torf heute als minderwertigen Brennstoff ansieht.

Mittagspause im Torfstich bei Wintermoor 1934. © SLUB Deutsche Fotothek, GERMIN df_ger-pos_0003128, Lizenz: Freier Zugang - Rechte vorbehalten
Mittagspause im Torfstich bei Wintermoor 1934. © SLUB Deutsche Fotothek, GERMIN df_ger-pos_0003128, Lizenz: Freier Zugang – Rechte vorbehalten

In Wintermoor fand das weit weniger stark statt als beispielsweise in Schneverdingen (Pietzmoor!). Man spricht heute vom Bauernhandtorfstich: kleine Parzellen und nicht sehr tief gestochen. Tief ging bei uns auch nicht, denn die Torfböden sind hier kaum tiefer als 1 Meter.

Man unterschied zwei Sorten: Weißtorf aus den oberen Schichten, der gepresst und getrocknet wurde, aber nicht gut brannte. Und Schwarztorf, der zwar schwerer zu gewinnen war, jedoch einen besseren Brennwert hatte.

Im Moor an der Heidkoppel wurde Torf in Handarbeit gestochen. Die Stege zwischen den Stichen sind bis heute zu erkennen.
Im Moor an der Heidkoppel wurde Torf in Handarbeit gestochen. Die Stege zwischen den Stichen sind bis heute zu erkennen.
Kunstvolle Torfpyramide bei Wintermoor, GERMIN 1935 © SLUB Deutsche Fotothek GERMIN Lizenz Freier Zugang - Rechte vorbehalten
Kunstvolle Torfpyramide bei Wintermoor, GERMIN 1935 © SLUB Deutsche Fotothek GERMIN Lizenz Freier Zugang – Rechte vorbehalten

Für Undeloh werden in den Rezessen 31 hannoversche Morgen, für Wintermoor 302, für Wehlen und Wesel 74 als Flächen zur Brennbültengewinnung angegeben. Die relativ kleinen Moorflächen im Naturschutzgebiet – sieht man vom Pietzmoor ab – wurden also spätestens zur Zeit der Gemeinheitsteilung in ihrem Wasserhaushalt gestört, denn mit der Torfgewinnung ging die Entwässerung Hand in Hand. Wann die Brennbültengewinnung im Gebiet des Naturschutzgebietes einsetzte, wissen wir nicht. Erst die Möglichkeit, sich Brennmaterial käuflich zu beschaffen, hat den Torfstich im Gebiet beendet.

Aus: Deutscher Rat für Landespflege: „Zur weiteren Entwicklung von Heide und Wald im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide“; Dezember 1985, Heft 48, Seite 751.

Und das ist vielleicht auch gut so: Torf stammt aus Mooren, die heute unter naturschützerischen Aspekten als bewahrenswert gelten. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts fand nämlich in vielen Moorgebieten der industrielle Abbau von Torf statt.

Torfhügel in Wintermoor, GERMIN 1938 © SLUB Deutsche Fotothek GERMIN Lizenz Freier Zugang - Rechte vorbehalten
Torfhügel in Wintermoor, GERMIN 1938 © SLUB Deutsche Fotothek GERMIN Lizenz Freier Zugang – Rechte vorbehalten

Bilder © SLUB Dresden / Deutsche Fotothek / GERMIN sowie eigene.

Der Fotograf GERMIN nennt als Ort seiner Fotografien zwar Wintermoor, allerdings bezweifele ich, ob es wirklich hier vor Ort aufgenommen wurde. UnsereTorfböden waren i.d.R. nicht so mächtig wie sie auf den Bildern wirken. Womöglich wurden die Motive aber weiter nördlich bei Ottermoor aufgenommen.

Mehr dazu bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Torf#Brennstoff

Ach, und wer weiß die Wortherkunft von Brennbülten? Ein Bult ist ja eine von Pflanzen geformte Erhebung im Moor.

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