Heidebauernwirtschaft

Der Wald war – wie die Heide – Teil des komplexen Agrarökosystems eines Heidebauerndorfes. Er war Flächenreserve, lieferte Mast (Eicheln und Bucheln), Weide, Streu und das unentbehrliche Bau-, Werk- und Brennholz. Die Heidebauernwirtschaft war ursprünglich auf funktionsfähige Waldungen angewiesen.

Frido Witte - Nachbarhaus
Frido Witte – Nachbarhaus

Solche waren – sieht man von Königlichen Bannforsten ab – vermutlich schon im Mittelalter, gewiß aber gegen Ende des 18. Jh., selten geworden, wie Rezesse aus dieser Zeit für Gemeinden des heutigen Naturschutzgebietes zeigen. Der Holzmangel machte es zu diesem Zeitpunkt nicht nur nötig, auf den traditionellen „Eekenboltenthun“ um die Höfe zu verzichten und ihn durch Steinmauern zu ersetzen, sondern auch Moore und anmoorige Flächen zur Gewinnung von Brennmaterial („Brennbülten“) in Torfstichen heranzuziehen.

handcolorierte Ansichtskarte um 1910 mit einem Heidehof in Wintermoor Schneverdingen
handcolorierte Ansichtskarte um 1910 mit einem Heidehof in Wintermoor Schneverdingen
Torfstich bei Wintermoor, GERMIN 1934 © SLUB Deutsche Fotothek GERMIN Lizenz Freier Zugang - Rechte vorbehalten
Torfstich bei Wintermoor, GERMIN 1934 © SLUB Deutsche Fotothek GERMIN Lizenz Freier Zugang – Rechte vorbehalten

Betriebswirtschaftlich gesehen war ein Heidedorf mit seiner Markung weitgehend ein geschlossenes System. Es konnte nahezu autark in Subsistenzwirtschaft leben. Als Agrarökosystem betrachtet war es bedingt ein in seinen Stoff. und Energiekreisläufen in sich geschlossenes System. Abgesehen von der Sonnenenergie, von Wasser und Wald, waren die Energiequellen systemintern: Holz aus den Wäldern, Torf aus den Mooren, tierische und pflanzliche Fette und Öle, Bienenwachs. Der geringe Output aus dem System bestand in Fleisch, Wolle, Wachs, Honig und Holz – bis dieses knappe Ressourcen wurden. Die Getreideproduktion diente ausschließlich der Eigenversorgung. Der Rückfluß an Stoffen in Teile des Systems, die Heiden und Wälder, war minimal, da der Düngereintrag durch das Weidevieh den Entnahmen nicht äquivalent war.

Aus: Deutscher Rat für Landespflege: „Zur weiteren Entwicklung von Heide und Wald im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide“; Dezember 1985, Heft 48, Seite 751

Mergeln

Mergeln nennt man die Düngung der Ackerflächen mit höherwertigen Material. Der heidebedeckte Sandboden war recht unfruchtbar, so dass man ihn mit Dung aus den Ställen und lehmiger Erde aus bestimmten Abbaustellen aufbesserte. Diese Stellen findet man auch heute noch, z.B. in Niederhaverbeck oder bei den Winterwiesen an der Bundesstraße auf Höhe Waldsiedlung.

Die Rasenfläche für das Flugfeld im späteren Camp Reinsehlen war beispielsweise so unfruchtbar, dass die Wehrmacht erst umfangreiches Tiefpflügen und Düngen unternehmen mussten, bevor sich überhaupt eine Grasnarbe bilden konnte.


Buchcover: Werner Köster - Das Dorf am Moor

Werner Köster beschreibt in seinem Buch „Das Dorf am Moor“ ein Jahr in der Kindheit eines Hütejungens und die wichtigsten Abläufe im Alltag der Heidebauern. Mehr dazu unter: Bücher


Bilder © SLUB Dresden / Deutsche Fotothek / GERMIN.

Der Fotograf GERMIN nennt als Ort seiner Fotografien zwar Wintermoor, allerdings bezweifele ich, ob es wirklich hier vor Ort aufgenommen wurde. Die Torfböden waren i.d.R. nicht so mächtig wie sie auf den Böden wirken, sondern waren nicht tiefer als ein Meter.

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