Gasthäuser in Geversdorf

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Wir schreiben das Jahr 1893, da eröffnete der Anbauer Georg Meyer in Wintermoor, heute Vor den Höfen 6, eine Schankwirtschaft. Hier, weitab von den Verkehrswegen, konnte dies nur ein Nebenerwerb sein, und so betrieb er neben der Gastwirtschaft und seinem Hof auch noch einen Handel mit allerlei Gütern des täglichen Bedarfs. Im Jahre 1909 kommt Meyer tragisch zu Tode. Seine Familie gibt daraufhin den Ausschank auf, führt den Handel aber weiter. Aus dieser Zeit stammt auch der Hofname „Hökerbur“.

Der Hokenhändler Johann Meyer, „Stratjohann“, errichtet ab dem Jahre 1909 an einem Seitenweg in Geversdorf ein massiveres Haus, mit je einem Schank- und Ladenraum. Am 22. Januar 1912 erhielt Johann Meyer die Schankerlaubnis für sein neues Gebäude. Im Jahre 1934 baute sein Sohn ein neues Haus, wiederum mit Laden und Gaststube an der heutigen Kreisstraße, die durch den Ort führt. Nach dem Kriege wird im Lager Reinsehlen die sogenannte „KDF-Halle“, welche den deutschen Soldaten als Mehrzweckhalle diente, abgebaut und in Teilen an Meyers Gasthaus als Saal wiedererrichtet. 

Gasthaus Meyer - aus Chronik 200 Jahre Wintermoor-Geversdorf 1
Gasthaus Meyer – aus Chronik 200 Jahre Wintermoor-Geversdorf
Streichholzbriefchen Meyer's Gasthaus, Wintermoor, Inh. Eichholz
Streichholzbriefchen Meyer’s Gasthaus, Wintermoor, Inh. Eichholz
Gasthaus Meyer - aus Chronik 200 Jahre Wintermoor-Geversdorf
Gasthaus Meyer – aus Chronik 200 Jahre Wintermoor-Geversdorf

In den folgenden Jahren fanden hier regelmäßig bei Tante Dora Tanzvergnügen statt. Sie waren so beliebt, daß von Schneverdingen regelmäßig Busse eingesetzt wurden. Das Gasthaus, gleichzeitig auch Poststelle, war der Mittelpunkt des Ortes. Hier hatten die örtlichen Vereine ihren Treffpunkt. In Ermangelung anderer Räume probte hier der Spielmannszug des Schützenvereins, und die Tischtennissparte der SG Wintermoor war auf dem Saal ebenfalls zu Hause. Die Schützenfeste fanden hier genauso statt wie die Sportlerbälle sowie viele Familienfeiern.

Ab 1970 war das Lokal dann an verschiedene Wirte verpachtet. Der „Tante-Emma-Laden“ wurde schon einige Zeit vorher wegen Unrentabilität aufgegeben. Die Vereine haben sich mittlerweile ihre eigenen Heime geschaffen, und so ist es dem Gasthaus Meyer ergangen wie vielen Gasthäusern in anderen Dörfern, es wurde leider geschlossen und dient heute als Wohnhaus.“ 

Dieser Beitrag stammt aus der Chronik „200 Jahre Wintermoor-Geversdorf„, 1997.


Familie Ahlborn vor dem Laden in Geversdorf
Familie Ahlborn vor dem Laden in Geversdorf
Laden in Wintermoor-Geversdorf
Laden in Wintermoor-Geversdorf
Saalbetrieb bei Meyers Gasthaus in Geversdorf
Saalbetrieb bei Meyers Gasthaus in Geversdorf

Ernst-August Ahlborn erzählte mir eine Geschichte vom Ende des Zweiten Weltkriegs. Die britischen Streitkräfte kamen 1945 mit Panzern aus Richtung Wesseloh. Ein Panzerfahrer machte sich gerade daran, die Lindenbäume vor dem Gasthaus umzufahren, als er von einem Offizier zurückgehalten wurde. So blieben drei der vier Linden stehen.

Aus einer anderen Zeit stammt auch die Erzählung von Ernst-August Ahlborn, dass noch bis Ende der 50er Jahre fahrende Händler und Vertreter auf Durchreise bei Meyer’s Gasthaus anhielten. Stationärer Fachhandel war seinerzeit nicht üblich und man kaufte Dinge des nicht-alltäglichen Bedarfs eben bei fahrenden Händlern. Sie fragten, ob der Weg nach Wesseloh passierbar sei – heute eine Selbstverständlichkeit. Jedoch war früher der Weg nach Wesseloh gerade in den feuchten Monaten schwierig, auf Höhe des Fuhrenkamps war eine sehr schlammige Wegstrecke. Erst die Asphaltierung der Straße und der Ausbau als Kreisstraße sorgte für ein besseres Durchkommen.

Ahlborn als Soldat vor dem Gasthaus in Geversdorf
Ahlborn als Soldat vor dem Gasthaus in Geversdorf

Der Saalanbau (die alte „Kraft-durch-Freude-Halle“) links vom Haupthaus an der Wintermoorer Straße 11 ist in den 90er Jahren abgebrannt. Die ehemalige Gaststätte dient heute weiterhin als Wohnhaus, die Linden davor stehen nicht mehr.

Meyers Gasthaus im Jahr 2017
Meyers Gasthaus im Jahr 2017
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