Gasthaus Heidehof

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Im Jahre 1794 errichtete der Chausseeaufseher Havemann einen Neubauernhof und Schankkrug an der „Napoleonchaussee“, der heutigen Bundesstraße 3.

Nach dem Tode Havemanns erwarb Conrad Meyer den Hof und erhielt gleichzeitig das Schankrecht. Anschließend wurde die Stelle von Heinrich Blank bewirtschaftet, nach dem das „Blankesche Wirtshaus“ dann benannt wurde. Danach verwaltete Christoph Lünz den Hof, bis zur Volljährigkeit seines Mündels Heinrich Bleeken.

Gruß aus Wintermoor - Bahnhof und Gasthaus Lünz, Ansichtskarte 1902
Gruß aus Wintermoor – Bahnhof und Gasthaus Lünz, Ansichtskarte 1902

 

Gasthaus Lünz - Blank - Ansichtskarte um 1912
Gasthaus Lünz – Blank – Ansichtskarte um 1912

Postkarte vom „Blankeschen Wirtshaus“, als es unter Führung von Christoph Georg Peter Lünz und seiner Frau Christine Marie, geb. Meyer, war. Die Postkarte stammt aus dem Jahr 1912 und stammt aus dem Besitz von Friedegard Schlüschen.

Im Jahre 1932 wurde das alte Bauernhaus wahrscheinlich durch fahrlässige Brandstiftung völlig zerstört. Aber bereits 1929 baute Heinrich Bleeken in direkter Nachbarschaft den „Heidehof“ und nahm ihn in Betrieb.

Für den Bau des neuen Gasthauses wurden sämtliche Ziegel mit Pferdefuhrwerken von der Ziegelei in Steinbeck zum Bahnhof Hemsen gebracht. Hier wurden sie in den Zug verladen, der diese bis Wintermoor transportierte.

Später verkaufte Bleeken das Haus an den Zimmerermeister Martin Ebeling aus Bardowick. Er selber bewohnte bis zur Errichtung des heutigen Wohnhauses, im Jahre 1949, das Häuslingshaus des Anwesens.

Im August 1945 kam dann Ebelings Tochter, Elsbeth Slonka, die bis dahin das Hotel „Stadt Bremen“ in Soltau gepachtet hatte, mit ihren drei Kindern nach Wintermoor.

Martin Ebeling zog daraufhin in das von ihm erbaute Nachbarhaus, rechts neben dem „Heidehof“, welches heute von der Familie Anhalt bewohnt wird. 

Gasthaus Bleeken - aus 200 J Colonie Wintermoor
Gasthaus Bleeken – aus 200 J Colonie Wintermoor

Bis zum Jahre 1948 hielt sich im „Heidehof“ eine polnische Besatzungseinheit auf, die für die Engländer gekämpft hatte. Noch heute sind am Nordgiebel des Hauses die Spuren des Krieges, infolge von vielen Einschußlöchern, sehr gut zu sehen.

Später vererbte Martin Ebeling das Gasthaus seinem Enkel Hans, dessen Mutter aber das Nießbrauchrecht bis zu seinem 25. Lebensjahr erhielt.

Am 1. März 1994 wurde das Hotel an den Architekten Lechner verkauft.

Dieser Beitrag stammt aus der Chronik „200 Jahre Colonie Wintermoor“ von 1994, Seite 11.


Ergänzung April 2020 

Hans Slonka erzählte mir 2017 einige weitere Details zum Heidehof. Es gibt offenbar einige Widersprüche hinsichtlich der Jahreszahlen:

Das Gasthaus wurde von Bleeken in den Zwanziger Jahren errichtet, nachdem Otto Buhr direkt an der Kreuzung seine Hotel errichtete hatte. Fenster und Türen wurden von Dische hergestellt. Beide wollten die Ausflügler als Kunden haben, die vom Bahnhof Wintermoor in die Lüneburger Heide wanderten. Hans Slonka ist seinerzeit zusammen mit Buhrs Sohn die Poststraße entlanggegangen und hat aus einem Handwagen Getränke verkauft.

Bleeken nahm bei einem Hamburger einen Kredit für den Bau auf. Als dieser im Jahr 1927 das Land verließ, wurde der Kredit sofort und komplett fällig: Bleeken musste daher in einer Art Notverkauf die Grundstücke an der Langen Straße verkaufen, um den Kredit ablösen zu können.

Martin Ebeling besaß zu dieser Zeit eine Zimmerei in Wittdorf und hatte fünf Kinder. Martha betrieb vorher in Hamburg ein Lokal und hatte zwei Kinder. Sie ging von Hamburg nach Brasilien zum Kaffeepflanzen, kehrte aber bald zurück. Über ein Heiratsinstitut lernte Ebeling seine spätere Frau Martha kennen. 

Sie hatte jedoch kein Interesse an einer Zimmerei. Als Ebeling von seinem alten Militärkameraden Wilhelm Menke hörte, dass der Heidehof zu verkaufen war, schlug er zu: schon am 20.4.1927 war die Wiedereröffnung unter neuer Leitung. Später stand zu diesem Jubiläumstag immer ein Blumenstrauß unter dem Führerbild.

Hans Slonka lernte Koch in Stade und lebte anschließend in Hamburg, Celle, Duderstadt. Seit 2004/05 lebt er in der Behringer Straße bei Röhrs zur Miete. Seine Schwester Antje Röhrs, geb. Slonka, hat eine Abschrift der Wintermoorer Schulchronik.


Die verkehrsgünstige Lage an der B3 machte es zu einem beliebten Ausflugsziel für Hamburger Ausflügler. Eine Tankstelle nebenan rundete das Angebot für die Motoristen ab. Schon vor der Motorisierung war der Heidehof eine Ausspannwirtschaft.

Nach der Nutzung als Hotel stand das Gebäude eine Zeitlang leer. Anschließend eröffnete dort die Laguna Bar unter Herrn Sackmann. 2016 wurde das Haus und die Außenanlagen erneuert. Die ersten Solaranlagen des Dorfes entstanden hier auf den Nebengebäuden. Gastwirtschaft wird aufgrund der hohen Auflagen hier wahrschinlich nicht mehr stattfinden.

Andere Gasthäuser in Wintermoor a.d.Ch. findet man hier.

Ansichtskarte vom Hotel Heidehof, M. Ebeling, Wintermoor, ca. 1954, Thordsen-Verlag Hamburg
Ansichtskarte vom Hotel Heidehof, M. Ebeling, Wintermoor, ca. 1954, Thordsen-Verlag Hamburg

 

Hotel Heidehof um 1962
Hotel Heidehof um 1962

 

Hotel Heidehof, Wintermoor, Dezember 1998
Hotel Heidehof, Wintermoor, Dezember 1998

 

Hotel Heidehof, Wintermoor, Januar 2017
Hotel Heidehof, Wintermoor, Januar 2017

 

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