Kriegstote

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Klar: Auf einem Friedhof liegen Tote. Das Besondere am Friedhof in Wintermoor war jedoch, dass er 1942 nicht für die Dorfeinwohner angelegt wurde, sondern für Kriegsopfer: Schon wenige Jahre nach der Eröffnung waren auf dem Friedhof mehr Menschen bestattet, als der Ort Einwohner hatte.

Die wenigsten Kriegstoten sind bei Kampfhandlungen im Dorf gefallen. Eine Zusammenfassung dazu gibt es im Beitrag „Krieg in Wintermoor„.


Tote aus dem Gesundungshaus

Verstorbene aus dem Waldkrankenhaus Wintermoor (bei Ehrhorn) wurden hier in Massen-Reihengräbern bestattet. Es waren zumeist Hamburger, die durch Bombenabwürfe in Hamburg verletzt waren und zur Gesundung nach Wintermoor in das eigens eingerichtete „Gesundungshaus“ verlegt wurden. Über 500 Menschen fanden hier ihre letzte Ruhe, davon sind nur 33 namentlich bekannt.

Anonymes Massengrab für Hamburger Bombenopfer, die im Gesundungshaus Wintermoor während des Zweiten Weltkriegs gestorben sind - Friedhof Wintermoor 1998
Anonymes Massengrab für Hamburger Bombenopfer, die im Gesundungshaus Wintermoor während des Zweiten Weltkriegs gestorben sind – Friedhof Wintermoor 1998

 

Notfriedhof am Krankenhaus

Im April 1945 gab es noch Kämpfe in Ehrhorn und Umgebung, weshalb die Straßenbenutzung untersagt war. Die in dieser Zeit verstorbenen Kranken im Wintermoorer Gesundungshaus waren zeitweise auf einer eigenen Grabanlage, einem Notfriedhof, beigesetzt worden und erst später (1947) umgebettet worden.

Dieser Notfriedhof lag neben der Anlage im Wald und ist heute nicht mehr gut zu erkennen. Ich bemühe mich die Veröffentlichung eines Lageplans, den der damalige Ehrhorner Bürgermeister verfasst hatte.


Soldatengräber

Aber auch deutsche und ausländische Soldaten fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Im April 1945 gab es kurze Kampfhandlungen im Dorf mit fünf bzw. sechs gefallenen deutschen Soldaten (einer davon unbekannt). Direkt östlich neben der Kapelle befindet sich eine schlichte, gepflegte Grabanlage von weiteren Soldaten.

Grabanlage für gefallene deutsche Soldaten des Zweiten Weltkriegs auf dem Friedhof Wintermoor (1993)
Grabanlage für gefallene deutsche Soldaten des Zweiten Weltkriegs auf dem Friedhof Wintermoor (1993)

Ausländische Soldaten haben einen weniger prominenten Platz gefunden. Diese Grabanlage befindet sich in der nordöstlichen Friedhofsecke im Teil (B2) für die sowjetischen Kriegsgefangenen, die beim Bau des Ausweichkrankenhauses eingesetzt waren. Der Teil A2 ist für (u.a. sowjetische) Staatsbürger vorgesehen gewesen, die 1945 u.a. in den KZ-Zügen verstarben. Die Anlage wurde früher einfach „Russengräber“ genannt.

Massengrab für Alliierte Soldaten, die in und um Wintermoor während des Zweiten Weltkriegs gestorben sind - Friedhof Wintermoor 1996
Grabanlage für Alliierte Soldaten, die in und um Wintermoor während des Zweiten Weltkriegs gestorben sind – Friedhof Wintermoor 1996

Hier findet man die Namen der Toten, abgelesen von den Grabsteinen:

  • Alex Baroff, gestorben 4.4.1945, Russe (s. unten)
  • Wasili Stubnikow, gestorben 16.4.1945, Russe (s. unten)
  • Iwan Slasuwin, geboren 11.11.1906, gestorben 27.5.1945, Russe
  • Donnier, gestorben 25.4.1945 (s. unten)
  • Czerniski, gestorben 29.4.1945
  • Wasili Olahoff, geboren 3.2.1945, gestorben 26.4.1945 (s. Zwangsarbeit)
  • sowie fünf unbekannte Soldaten

Es gibt aus der Nachkriegszeit eine Aufstellung über „Unbekannte Soldatengräber“ vom 9. April 1946: 19460409_Wintermoor_Unbekannte Soldatengräber.pdf (Veröffentlichung bislang noch untersagt).

Ein Übersichtsbericht vom Landkreis Soltau (Tote Ehrhorn und Wintermoor, 2.1.2.1 / 70742253, ITS Digital Archive Bad Arolsen) listet namentlich die Todesfälle von nichtdeutschen Staatsangehörigen auf. Für die Gemeinde Ehrhorn werden in dem Bericht einige Doppelungen bereinigt, was allerdings nur 8 Kriegsgefangene betraf. Für die Gemeinde Wintermoor (etwas unscharf definiert) erwähnt der Bericht 21 gefallene alliierte Soldaten, auf Seite 2 im Wortlaut:

„Die Gemeinde Wintermoor ist ein Ortsteil der Gemeinde Ehrhorn. Die vier unbekannten amerik. Flieger müssen identisch mit den Ostern 44 gefallenen vier amerik. Fliegern sein, die unter Ehrhorn gemeldet wurden. Für die unter Wintermoor gemeldeten 12 brit. Soldaten werden die Sterbeurkunden nachgereicht, ebenso die Sterbeurkunden der als unbekannte Nationalität aufgeführten 5 namentlich bekannten Personen.“


Ehrenmal für Wintermoorer Soldaten

Das Ehrenmal für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs aus den Gemeinden Wintermoor und Ehrhorn steht auf dem Friedhof. Das Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges befindet sich in der Nähe der ehemaligen Schule.

Ehrenmal für im Zweiten Weltkrieg gefallene deutsche Soldaten aus Wintermoor - Friedhof Wintermoor 1996
Ehrenmal für im Zweiten Weltkrieg gefallene deutsche Soldaten aus Wintermoor – Friedhof Wintermoor 1996

Hier findet man die Namen der Toten, abgelesen vom Ehrenmal: folgt


Zwangsarbeiter

In Wintermoor sind Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter eingesetzt worden, mehr dazu lässt sich ausführlich im Beitrag Zwangsarbeit lesen.  Die Bedingungen im Arbeitskommando Wintermoor 7054 des StaLag Sandbostel waren sicherlich schwierig. Beim Bau des Krankenhauses in Wintermoor sind etwa 100 Gefangene eingesetzt gewesen, davon sind mindestens 11 Gefangene dort gestorben. Es gab auch Todesfälle bei den zivilen Arbeitern. In der Datenbank von www.obd-memorial.ru sind diese Fälle dokumentiert:

ОБД Мемориал
Die 11 sowjetische Kriegsgefangene waren anfangs (1941-42) am Wehlener Weg in Einzelgräbern bestattet. Davon wurden im Mai 1955 neun nach Munster (Munster-Waldfriedhof, mehr Infos beim Volksbund) umgebettet, wie ein Aktenvermerk des Ehrhorner Bürgermeisters vom 27. Mail 1955 zeigt. Die beiden anderen Verstorbenen fanden ihre Ruhestätte in den sog. „Russengräbern“ bei den alliierten Soldaten auf den Wintermoorer Friedhof (s.o.).

Hier finden sich als PDF eine Liste ausländischer Tote auf dem Friedhof nach Nationalitäten, verfasst wahrscheinlich 1945: 1945_Liste der ausländischen Toten auf dem Friedhof Wintermoor.pdf (Veröffentlichung folgt nach Freigabe).


KZ-Züge und die Opfer

Ein Transportzug von KZ-Häftlingen hielt im April 1945 im Bahnhof Wintermoor. Er wurde von britischen Flugzeugen angegriffen, weil sie den Zug für einen Munitionstransport hielten (auf dem Nebengleis stand tatsächlich einer). Das war nicht ungewöhnlich, denn in Kamperheide nördlich von Wintermoor befand sich ein großes Munitionslager, ein Depot der Heeres-Nebenmunitionsanlage Schneverdingen.

156 Toten wurden im „Ententeich“ neben dem Bahndamm verscharrt und nach Kriegsende auf Befehl der britischen Streitkräfte im Mai 1945 auf den Friedhof in Einzelgräber umgebetten. Bei dieser Gelegenheit wurden einige Häftlingsnummern notiert, jedoch blieben die Namen der Toten jahrzehntelang unbekannt. Die standesamtliche Beurkundung wurde am 15.6.1946 durchgeführt.

Friedhof Wintermoor: alter Gedenkstein für KZ-Opfer (1996)
Friedhof Wintermoor: alter Gedenkstein für KZ-Opfer (1996)

Erst nach der Wende konnte ein Teil der Toten anhand der Häftlingskartei im KZ Buchenwald recherchiert werden.  Schneverdinger Stadtratsmitglieder setzten sich dafür ein, dass die bestehende Gedenkanlage um einen neuen Stein mit Erläuterungen ergänzt wurde und die bekannt gewordenen Namen der Toten auf Grabsteinen aus Granit geschrieben wurden. Noch einmal später wurde eine fehlerhaft notierte Häftlingsnummer eines Franzosen korrigiert.

Friedhof Wintermoor: neue Gedenksteine für KZ-Opfer (1996)
Friedhof Wintermoor: neue Gedenksteine für KZ-Opfer (1996)

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hat eine eigene Aufstellung im Internet. Darauf bezieht sich wohl auch der Artikel von:

http://www.denkmalprojekt.org/2013/wintermoor_stadt-schneverdingen_lk-heidekreis_wk1_wk2_ns.html


Nach dem Krieg

Deutschstämmige Bewohner aus Ostdeutschland kamen als Flüchtlinge nach dem Krieg auch in Wintermoor unter. Viele Flüchtlinge fanden Unterkunft in Reinsehlen und bauten sich anschließend eine Zukunft in der BRD auf. Einige verstarben allerdings auch kurz nach der Ankunft und so finden wir deren Grabsteine noch heute auf dem Friedhof, auch wenn die Grabstellen schon aufgehoben sind.

Grabstein Helmut Zühlke
Grabstein Helmut Zühlke

Helmut Zühlke aus Altdamm in Pommern (25.2.1900 – 19.10.1951)

Grabstein Jozef Stadnik
Grabstein Jozef Stadnik

Jozef Stadnik (1919 – 1956)

Grabstein Lucie Kulike
Grabstein Lucie Kulike

Lucie Kulike, geb. Schäpke (5.4.1891 – 23.5.1945)

Grabstein Zeonon Uglenica
Grabstein Zeonon Uglenica

Und Zeonon Uglenica, in Gedenken von den Eltern und Geschwistern in Polen.


Die Kapelle (siehe: Kirche in Wintermoor) wurde erst später gebaut.

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