Haverbeck

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Haverbeck kommt wahrscheinlich aus dem Niederdeutschen und bedeutet soviel wie „über den Bach“. (Lütkepohl / Tönnießen 1999, S. 135). Heute ist es ein Ortsteil der Gemeinde Bispingen in der Lüneburger Heide. Er besteht aus den Heidedörfern Niederhaverbeck und Oberhaverbeck. Der Ortsteil liegt inmitten weitläufiger Heidelandschaften und ist stark touristisch geprägt. Die beiden Ortschaften erreicht man von Wintermoor und Ehrhorn kommend über die Behringer Straße.


Haverbeck und Ehrhorn wurden bereits im Winsener Schatzregister um 1450 (zusammengestellt 1891) erwähnt. Es zeigt die Einnahmen aus der Aufbringung des Landschaftes (einer Art Grundsteuer), die seit dem 13. Jahrhundert (6.1.1293) erhoben wird. Zugehörig zur Vogtei Amelinghusen uppe der Teche waren (alles in alter Schreibweise):

Haverenbeke:

  • Gherbert mit 1 pl.,
  • Ghereke mit 1 pl., zu episcopo Verdensi (= zahlt an das Bistum Verden)
  • Brunckhorst mit 1 pl., zu episcopo Verdensi (= zahlt an das Bistum Verden) 

Ein sächsischer Pflug umfasste 2 Hufen und entsprach damit etwa 60 Morgen Land. Hier wurden 2 Mark erhoben.

Erhorn:

  • Titeke Rikemans mit einer koth. / Cote (zu 8 Schilling)
  • Heyneke mit einer koth. / Cote (zu 8 Schilling)
  • Koneke Rikemans zu 24 Schilling.

Die Namensendung auf -eke weißt auf eine altsächsische Verkleinerungsform hin. Zu dieser mittelalterlichen Zeit begann die Verwendung von Vor- und Nachnamen, was hier schon in Ehrhorn erkennbar ist. 


Bekannt ist die Familie Menke, die eng mit Wintermoor a.d.Ch. verbunden ist. Und die Dorfschule in Niederhaverbeck war Schulort nicht nur für die Kinder aus Oberhaverbeck, sondern auch für den Nachwuchs der in der Hamburgischen Krankenhaus (später ENDO-Klinik) beschäftigten Menschen.

Die beiden Dörfer gehörten vor der Gemeindegebietsreform im Jahr 1974 zur Gemeinde Ehrhorn und wurden danach der Gemeinde Behringen zugeordnet. Schon kurz darauf wurde jedoch auch die Gemeinde Behringen neu aufgestellt und kam zu Bispingen.

Hans-Pforte-Haus in Niederhaverbeck
Hans-Pforte-Haus in Niederhaverbeck

In Haverbeck leben 80 Einwohner (Stand 30. Juni 2012). Der Ort hat eine Gemarkungsfläche von rund 18 km² und liegt an der Landesstraße 211 zwischen Behringen und Wintermoor. Niederhaverbeck wird vom Bach Haverbeeke durchflossen, der namensgebend für den Ort Haverbeck war und hier zu einem Löschwasser- / Fischteich angestaut ist.

Ansichtskarte Niederhaverbeck, Foto A. Menke, Verlag Rud. Reher
Ansichtskarte Niederhaverbeck, Foto A. Menke, Verlag Rud. Reher

Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes Haverbeck erfolgte 1193, als es als Teil des Kirchspieles Bispingen an den Bischof von Verden verkauft wurde. In Niederhaverbeck und Oberhaverbeck sind Strukturen vorindustrieller Heidedörfer erhalten geblieben, in denen sich noch Speicher und alte Gehöfte finden. Es sind lockere Haufendörfer, die ohne scharfe Grenze in die umliegende Landschaft übergehen. Die einzelnen von Bäumen umgebenen Höfe liegen verstreut ohne sichtbare Ordnung verteilt. Es existieren einige Gasthäuser, die meistens aus ehemaligen Vollhöfen hervorgegangen sind. In Niederhaverbeck unterhält der Verein Naturschutzpark als Betriebsstelle einen Gebäudekomplex mit Schafstall, von dem aus die umgebende Heidelandschaft unterhalten und gepflegt wird.

Dieser Beitrag ist verfasst unter Zuhilfenahme von Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Haverbeck_(Bispingen). Das Bild vom Naturinformationshaus in Niederhaverbeck: By flamenc (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons. 


Interessant mag auch die Geschichte der Elektrifizierung von Niederhaverbeck sein, die erst 1954 erfolgte und dadurch Anlaß für Berichterstattung gab.

Aus historischer Zeit stammt der Ringwall-Speicher, auch Schwedenschanze genannt.

Linkerhand am Weg von Niederhaverbeck nach Wilsede findet man Kuhlen am Wegesrand, die in die Böschung gehen. Hier wurde tonhaltige Erde abgebaut, die entweder für Lehmziegel oder die Bodendüngung („Mergeln“ -> Heidebauernwirtschaft) gebraucht wurde.


Diese Höfe sind erwähnenswert:

Heidekrug Wilh. Menke in Niederhaverbeck - Ansichtskarte von Rud. Reher Verlag um 1954
Heidekrug Wilh. Menke in Niederhaverbeck – Ansichtskarte von Rud. Reher Verlag um 1954

Niederhaverbeck:

Oberhaverbeck:

  • Hausnummer 1: Hof Bockelmann bzw. der Albershof
  • Hausnummer 2: Stimbekhof. Seit den Zwanziger Jahren gab es hier eine Pension und ein Café, zwischen 1928 und 1997 ist der VNP Eigentümer. Der historische Treppenspeicher von 1750 wurde auf Initaitive von VNP-Mäzen Alfred C. Toepfer hier aufgestellt. Heute ist der Stimbekhof ein Tagungs- und Eventhotel: www.stimbekhof.com
  • Hausnummer 3: Dammannshof
  • Hausnummer 4
  • Revierförsterei
  • „Das kleine Landhaus“ (Hausnummer 8): www.kleines-landhaus-bispingen.de
Haverbeck – Gasthof Gustav Amtsfeld undatiert vor 1918



Herrschaftliche Holzungen

VNP-Schriften 4 –Niederhaverbeck 2013 (Seite 144f):
„Als der Niedergang der Wälder deutlich wurde, reservierten sich die Landesherren
größere oder kleinere Waldstücke als herrschaftliche, später königliche Holzungen.
Der größte dieser durch Grenzgräben von der Gemeinheit getrennten Wälder in unse-
rem Gebiet waren die Hanstedter Berge. Zu den „Haverbecker und Undeloher Höl-
zern“zählten das Oberhaverbecker, das Heimbucher und das Meninger Holz, Hainkö-
pen sowie weitere kleinere Waldstücke.

Über den Zustand dieser Wälder wissen wir recht gut Bescheid, da die große Holznot
im 17. und 18. Jahrhundert der landesherrlichen Verwaltung Anlass gab, die Holzungen zu inspizieren, zu beschreiben und Verbesserungsvorschläge zu machen (TEMPEL
2001). Diese Wälder waren zwar im landesherrlichen Besitz, aber die Einwohner der
umliegenden Höfe und Dörfer, die ja über nennenswerten Wald nicht mehr verfügten,
waren zu den verschiedensten Nutzungen darin berechtigt. Die größte Rolle spielte
dabei die Waldweide mit Rindvieh und Heidschnucken.“

 

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