Straßen und Wege in der Vorzeit

Altstraßen sind historische Wege des Landverkehrs, die vor den neuzeitlichen Chausseen entstanden sind. Sie dienten als Handelswege und Heerstraßen. Flüsse waren ebenfalls gerne genutzte Transportwege, standen aber in unserer Gegend nicht schiffbar zur Verfügung.

Manche Altstraßen waren aufwändig angelegt und sind bis heute an ihrem geraden Verlauf in ebener wie in welliger Topografie sowie Spuren von Kunstbauten in steilem Gelände zu erkennen. Dazu gehören die Römerstraßen. Ein großer Teil der Altstraßen jedoch wurde mit minimalem Aufwand gebahnt bzw. als unbefestigte Naturstraßen angelegt. Sie verliefen in bergigem, aber nicht alpinem Gelände meist entlang der Wasserscheiden, entweder auf dem Kamm oder hangparallel.

Große Teile der Altstraßen waren unbefestigte Naturwege, deren Verlauf sich nach der Geologie und der Topografie der Landschaften richtete, die zwischen wichtigen Quell- und Zielgebieten des Verkehrs zu durchqueren waren. Altstraßen verliefen vorzugsweise auf Wasserscheiden (Höhenrücken), namengebend für die Hohe Straße oder hangparallel in sanfter Hanglage in Höhe der Quellhorizonte (wegen der Tränkmöglichkeit für die Zugtiere, meist Ochsen; Pferde konnten vor der Einführung des Kumtgeschirrs keine schweren Lasten ziehen), Die Höhenwege hatten auch den Vorteil, dass sie insgesamt trockener waren als Wege im Tal.

Querschnitt

Wie sich aus systematischen Vergleichen heutiger Wegenetze und Straßennamen ablesen lässt, bestanden Altstraßen durchaus nicht nur aus einem Paar Wagenspuren. Je nach Bodenbeschaffenheit, Siedlungsdichte und Auflagen feudaler Grundherren konnte es mehrere parallele Wege geben, die zu verschiedenen Zeiten oder für verschiedene Zwecke benutzt wurden.

Der hessische Archivar und Historiker Georg Landau (1807–1865) unterschied zwischen

  1. öffentlichen Straßen und Heerstraßen,
  2. Land- oder Markwegen (Viae Convicinales),
  3. Kirchwegen (Viae Pastorales) und
  4. Notpfaden.

Öffentliche Straßen und Heerstraßen trugen viele unterschiedliche Bezeichnungen, die auf ihre Verwendung, ihre Lage oder auf ihr Umfeld schließen lassen. Dies waren:

  • Königs- oder Reichsstraßen (Via Regia),
  • öffentliche Straßen (zum Beispiel die Via Publica),
  • Heerwege (nach strategischen Gesichtspunkten angelegt),
  • Hellwege (Weg zum Salztransport),
  • Diet- oder Volkswege,
  • Land- oder Bergstraßen,
  • hohe Straßen,

Die Namen dürfen nicht überbewertet werden. Auf Straßen, die nach einem Handelsgut benannt sind, wurden auch andere Waren transportiert. Heerwege dienten auch als Handelswege und umgekehrt. Bezeichnenderweise heißt die einzige von der Elbe nach Jütland durchlaufende Altstraße (rechts und links davon gab es zu viele Feuchtgebiete), die übrigens nur selten zu Kriegszügen verwendet wurde, auf Deutsch Ochsenweg (Handelsgut) und auf Dänisch Hærvej.

Geschichte der Altstraßen

Bis in die Zeit der Antike lässt sich die Entstehung mancher Altstraßen in damals von Kelten und Germanen bewohnten Ländern zurückverfolgen. Gehandelt wurden vor allem Salz, Luxusgüter aus dem Mittelmeerraum, Bernstein und auch Sklaven. Schon in der vorantiken Bronzezeit muss es nennenswerten Fernhandel gegeben haben. […] Die Karolinger dehnten das Frankenreich auf Gebiete aus, die nicht durch Römerstraßen erschlossen waren. Sie nutzten unbefestigte Wege als Heerstraßen und sicherten diese durch Burgen. Es wurden Klöster an Kreuzungspunkten gebaut. […] Im Hochmittelalter wurden entlang der Handelsstraßen neue Städte gegründet, oft im Schutz einer Burg oder in der Nähe eines Klosters.

Der Chausseebau und damit einhergehend die Entwicklung eines modernen Straßennetzes begannen in der Mitte des 17. Jahrhunderts, bei uns sogar später. Viele Altwege verloren danach ihre Bedeutung und wurden nur noch lokal genutzt.

Gekürzt aus dem Wikipedia Artikel zu Altstraßen unter https://de.wikipedia.org/wiki/Altstra%C3%9Fe entnommen.


Walter Gröll beschreibt die „Historischen Wege im Naturpark Lüneburger Heide“ in den VNP-Heften Naturschutz- und Naturparke 108, 110 und 111 (alle 1983). Er bezieht sich stark auf die Karte der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1770 bis 1776 (Blatt 71 Wilsede und 76 Bispingen), Wintermoor-Geversdorf läge auf Blatt 29 (Lauenbrück). Hügelgräber aus der Steinzeit sind seinerzeit wohl bevorzugt an Wegen angelegt worden (nach W.-D. Tempel und W.-D. Asmus).

Folgende Wege führten seit alten Zeiten durch die Region Wintermoor:

Stichtweg von Wehlen in das Gebiet des Stiftes Verden entlang der Grenze des Fürstentums Lüneburgs (volkstümlich Sticht genannt). Von Wehlen aus den Wittenweg nach Süden folgend ist nach etwa 750 Metern eine Gabelung, links geht der Wittenweg zum Bahnhof Wintermoor, rechts führt der Stichtweg an der heutigen Grenze zwischen LK Harburg und LK Heidekreis bis zur Wümmebrücke am Hauenstein. Der Name der heutigen Wohnstraße Stichstraße, welche von der B3 nach Osten abzweigt, bezieht sich auf diesen historischen Weg.

Der Puterweg zwischen Barrl und Hanstedt, von Schneverdingen über Winsen/L. zur Fähre nach Hoopte ist heute eine breite Waldschneise. Hier wurden „vor hundert Jahren“ im August und September die Puter zur Mast in die Vierlande getrieben. Ab Jagen 206 heißt er Heimbucher Weg und führt am Forsthaus Heimbuch und Ehrhorn vorbei nach Barrl.

Zwischen Niederhaverbeck und Schneverdingen (nördlich der Haverbecke) und von Niederhaverbeck nach Wilsede. Dazu aus: VNP-Schriften 4 –Niederhaverbeck 2013, Seite 163: „Einen guten Einblick in dieses Thema gibt die Untersuchung von GRÖLL (1983). In West-Ost-Richtung verläuft eine alte Fernstraße, die nach SCHARENBERG (1994) von Groningen über Bremen nach Lüneburg und weiter bis Danzig führte. Sie durchquerte unser Gebiet von Schneverdingen kommend in Höhe der Ortschaften Haverbeck und Döhle. Nach GRÖLL (1983) wird dieser Weg 1535 erstmals erwähnt. Alte Spuren sind im Wald bei Sellhorn erhalten geblieben. Auch eine heute noch vorhandene Brücke aus behauenen Findlingen östlich von Niederhaverbeck (Abb. 5) weist auf diesen Weg hin (GRÖLL 1996, GRÜNHAGEN 2007/08).“

Die Landstraße von Bispingen über Ober- und Niederhaverbeck nach Wintermoor endete der Karte von 1776 nach bei Ehrhorn. Kurz davor, bei Einem, gab es einen Übernachtungsplatz für Pulverwagen (abseits des Dorfes) an der uralten Fuhrmannsbuche – das muss also nach 1847 gewesen sein. Die Fuhrmannsbuche war so groß und stand ganz alleine auf der Heide, dass man sie nach Haumeisters Wieckhorst Aussage schon von Wesseloh aus gesehen hatte. Die heutige Landstraße L211 Behringer Straße wurde dann ja doch von Ehrhorn nach Wintermoor verlängert. Nördlich der Straße sind einige Waldwege (insbesondere die nicht rechtwinkligen) schon älter.

Von Einem nach Undeloh aus Wilsede kommend, als „Bey-Weg“ für Postkutschen ausgewiesen (allerdings nicht über Barrl, sondern über Oberhaverbeck und Scharrl). Zwischen Einem und Wilsede verlief der Weg früher etwas anders bis zum Jagen 142.

Der Soltauer Weg von Barrl nach Süden liegt dort, wo heute die B3 verläuft. Nördlich von Barrl wurde der Weg erst 1791 in Betrieb genommen. Der Name Napoleonchaussee ist eigentlich falsch, zweigt die echte Napoleon-Ch. doch in Welle ab in Richtung Rotenburg. Die Soltauer Straße (B3 von Welle südlich gesehen) hatte einen Vorläuferweg, der von Harburg über Buchholz und Handeloh lief und die Wümme etwa 1km östlich von Barrl querte, durch den Heidegrund zog und dann über Bockheber nach Heber in Richtung Soltau ging. Die äußerst breite Waldschneise im Jagen 410 bei Ehrhorn und dem Wegpunkt 73,8 zeugt noch heute von diesem alten Postweg.


Hinweis: Der Postweg von Harburg nach Bremen wird im Beitrag POSTWEG beschrieben. Kleinere Wege (zB der Spitzbubenweg) werden im Beitrag POSTBOTENWEGE beschreiben. Interessant auch die Geschichte der Bundesstraße 3.

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